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Freitag, 9. Dezember 2011

Die Story vom Spiegelei

Immer wenn ich Kopfschmerzen habe in der Früh, frage ich nicht warum, sondern haue, einem Opferritual gleich, ein paar Eier in die Pfanne, streue Wunderkräuter drüber und praktiziere so etwas wie metaphysische Erkenntnis-Yoga. Dabei gehen mir sonderbare Gedankenstränge durch den Rest meines langsam anspringenden Hirns:

Ein Spiegelei am Morgen schmeckt nicht nur gut, sondern enthält so ziemlich alle Vitamine, die der Mensch für den gelungenen Start in den Tag benötigt - vorausgesetzt, die Henne hat vorher das richtige Zeugs gepickt und ist rundum glücklich. Auch wenn's nicht stimmt, galube ich, dass das Wort "Spiegelei" eher daher kommt, weil es  dem Menschen wahrhaftig den Spiegel vor Augen hält. Er genießt ein Produkt, das aus dem Arsch einer Henne kommt - und wenn's so frisch in der Pfanne blinzelt, sieht er sich sogar selber darinnen wiederspiegeln - gleich neben dem gelatineartigen weißen Fleck, dem Sperma vom Hahn, der drei Tage vor dem Legedatum die Henne beglückte. Bei dieser orgiastischen Ekenntnis des männlichen Unterbewusstseins, hört ein gebildeter, sensitiver Mensch sogar noch das Echo des Orgasmus-Schreies der Henne heraus, und fühlt sich wie ein Spanner dabei.

Der Arsch der Henne, diese wunderbare Erfindung der Schöpfungskraft, nennt sich Kloake. Ein ziemlich blödes Wort für diesen wunderbaren Quell von Frühstückseiern, Ostereiern, Backeiren und Eierköpfen. Das Huhn ist der letzte wahre Nachkommen der Dinosaurier - man sehe es vor allem an den Klauen, dem winzigen Hirn und am Rumpf, wenn die Henne gerupft ist. Diese Raptoren aber waren schon lange vor dem Menschen auf Erden - darum nennen wir unseren Menschenarsch vornehm ja auch nur After. Und das wohlriechende Rasierwasser, welches wir Männer uns morgens ins Gesicht reiben, nennt sich After-Shave - übersetzt: Arsch-Rasur.

Also wenn uns die Frau ab und zu ins Antlitz schaut und "du Arsch" schimpft, dann möge man(n) sich doch das ganze wissenschaftliche Evolution dieser Äußerung vor Auge halten. Die Frau schleudert diese Fäkal-Metapher eher ungewollt und einfach intuitiv aus dem Bauch heraus, weil sie es auf natürlichem Wege schon erfahren hat, wie das mit den Eiern läuft. Alle 28 Tage legt sie nämlich auch ein Ei. Aber dann freuen wir Männer uns keineswegs so arg, wie über ein frischgelegtes Hühnerei in der Pfanne, sondern sind eher traurig darüber. Aber gackern tun beide Eierproduzentinnen - die eine aus Freude, die andere weil's ihr dann überhaupt nicht gut geht.

Und die Statistik hat bewiesen, dass Frauen wenn sie "ihre Tage" haben, den Männern meistens Spiegeleier zum Frühstück machen. Da schließt sich wieder einmal die Elypse - alles ist oval: die Umlaufbahn der Erde, unsere rumeiernde Erkenntnis und das göttliche Ei der Henne selbst, das Symbol des ewigen Werdens und Vergehens - das höchste Gut des Osterhasen, dem Liblingskarnikel der altgermanischen Göttin Ostara.

 Ja, so einen Stuss schreibe ich, wenn ich frühmorgendliche Kopfschmerzen habe und meinen Zorn von einem immer wieder heimsuchenden Kater ablenke - über die Henne - bis hin zum Rudimentärsein des Mannes. Und wenn ich's dann nachlese, drängt sich mir die Frage auf, wer und was zum Teufel sind wir Männer denn eigentlich, dass wir uns in früheren Zeiten höher stellten über alle anderen Wesen?

Fazit: Ich resümiere schließlich, dass wir Männer eher neidisch sind auf Henne & Co, weil sie immer frische Eier legen, während wir lebenslang mit zwei Eiern im Sack rumlaufen und heimlich Angst haben, sie könnten schon längst faul sein. Daher dann dieses rachelüsterne Gefühl, am Katermorgen unbedingt Eier in die Pfanne zu hauen - nach dem Motto: wenn uns eh schon keine frischen Eier vergönnt sind, dann sollen auch ANDERE keine mehr haben.