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Dienstag, 19. Mai 2015

Kelch, wohin?

Wenn ein guter Krieger mürbe wird, senkt er müde seine Waffen und beugt gebrochen das Haupt zur Erde - nachdem er nochmals forsch in den Himmel starrt. Ein Kelch zieht an ihm vorbei.

Zuerst verdammt er Gott und gleich darauf den Teufel und sich selbst, als unglückliches Geschöpf zwischen deren Welten. Denn ab da weiß er, dass das Gute wohl niemals siegen wird - so jeder Kampf doch mit zerstörerischen Waffen ausgefochten wird. 

Das Gute aber kennt keine Waffen. Und was es kennt, stört das Böse nicht im Geringsten: Es sind höchstens spielerische Streicheleinheiten - wenn's hoch kommt; inniges Schulterklopfen.

Einen Feind totküssen geht nicht - höchstens totficken. Lieber gleich sterben, als das. Da siehst du's: Das Böse hat dem Guten überallhin auch noch moralische Schranken gesetzt. Ein Spießrutenlauf für den edlen Kerl, dem tausend fletschende Höllen-Hyänen an der Ferse hängen.

Oder aber ist dies alles nur ein Traum? Ein Test vielleicht? Eine Prüfung für Standhaftigkeit und Unbeirrbarkeit? Wie dem auch sei; nach dem Tod wissen wir mehr. Und bis dahin sollten wir am besten auch mal BÖSE werden; um wenigstens ein paar Momente des Obsiegens zu genießen auf Erden. Und um reden zu können drüber, ... später, ... in Walhall.

Mal schaun, wie uns das Siegen dann noch bekommt - obwohl wir eher kotzen werden in den Siegeskelch, als draus zu trinken. 

Kelch also, wohin mit dir, wenn da hofft kein Mann mehr in mir?