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TWIN-PRYX, Zwillingsbrut


(Mystery Thriller)

Mysterium um 7 Parallelwelten.
Nur Böses kann Böses vernichten.
Rund um die Erde spannen sich mystische Netze.
Tarnung ist Umgarnung.
Das Geheimnis der leuchtenden Pryx.
Dimensionen und Dämonen.


TWIN-PRYX - ZWILLINGSBRUT
 
Twin-Pryx, Zwillingsbrut
Roman von John Asht
Mysterien-Abenteuer aus dem Genre: Phantastisches Abenteuer. (keine Fantasy!)
912 Seiten
Softcover
Format: 134 x 205 mm


Buch-ISBN 978-3-940932-09-9
Buch-Preis: 19,90 € inkl. MwSt.

E-Book-ISBN 978-3-940932-20-4
E-Book-Preis: 12,90 € inkl. MwSt.







INHALT
 

Die unsterbliche Cyan-Grünauge wird ins mystische Transsilvanien beordert, um zu erfahren, dass sie den schweren Schicksalsweg der jungen Hanna und ihrer Zwillingssöhne über eine Zeitspanne von zwei Jahrzehnten begleiten soll.

Unerkannt wacht sie über Hanna und zieht später mit deren getrennten Sprösslingen um den ganzen Erdball, um sie in Kanada, im letzten Ur-Refugium des roten Mannes, für ihre große Aufgabe zu wappnen: der unheimlichen Begegnung mit der Dämonenwelt. 

Das Wertvollste das diesen Planeten am Leben erhält, ist in Gefahr: die Pryx – Quellen des geistigen Lichts und des Wassers.
Cyan-Grünauge stellt die Weichen, auf dass sich die Zwillingsbrüder Charly und Gun, nach langen Jahren der Trennung, inmitten Deutschlands wiedertreffen. Doch die Zwillinge geraten ins Visier von Agenten, die es auf ihr außergewöhnliches Blut abgesehen haben. In den Zeiten des Kalten Krieges wollen beide Lager diese Beschaffenheit  für ihre geheime Projekte nutzen. Der Wettlauf beginnt - bald aber wird klar, dass hier noch eine dritte Macht im Spiel ist.


 
Kraftzentren der PRYX  Stationen des TWIN-PRYX 
 

KAPITELÜBERSICHT
 
PROLOG

1. Kapitel HANNA (zur Leseprobe)

2. Kapitel KRIEGS-IDYLLE

3. Kapitel GEISTERFÄHRTE

4. Kapitel DIE SEHERIN

5. Kapitel PROFESSOR SAHIGAL

6. Kapitel SCHLANGENZUNGE

7. Kapitel DER QUELL DES KREISES

8. Kapitel KIND DES MORGENSTERNS
Nish-Nau-Stan

9. Kapitel AUS DEM SINN, EIN LICHT
Rish-Adun

10. Kapitel KIND DES ABENDSTERNSEsh-Nau-Stan

11. Kapitel ERSTE BEGEGNUNG

12. Kapitel OHNE LICHT ZUR SEELE
Owhan-Tu-Shaan

13. Kapitel KA-I-LA

14. Kapitel BLUTZOLL

15. Kapitel STERNENJUNGE

16. Kapitel GEISTERFUNKE
17. Kapitel SHATRA-RANJA

18. Kapitel PRYX

19. Kapitel IM KREIS DAS DREIECK

20. Kapitel ZEIT DES WECHSELS

21. Kapitel ES HÄUTET SICH DIE SCHLANGE

22. Kapitel HERR DER ZEITEN

23. Kapitel DER VORHOF ZUR HÖLLE
24. Kapitel WELTENREISE

25. Kapitel ICH, RISH-ADUN

26. Kapitel KORONA

27. Kapitel UNZEIT

28. Kapitel ROCHADE

EPILOG


LESEPROBE
 


 
HANNA

(Sommer 1944 – auf der Hochlandburg in Transylvanien)
Eigenartige Träume weckten Hanna in der Dämmerung dieses Frühsommertages. Langsam und etwas zitterig öffnete sie die Augen und blickte verwirrt in die erste Morgenröte, die ihren Schlafraum erhellte. Vogelgezwitscher drang durch die weit geöffneten Fenster, leises Waldrauschen und das Plätschern der nahen Burgquelle. Hanna setzte sich auf und atmete tief durch. Ein Lächeln huschte über ihr Antlitz und vertrieb die Anspannung aus ihrem Gesicht, die noch vom Traum verblieben war. In der Luft lag der vertraute Duft von Wiesenblumen, Wäldern und die Frische des Morgentaus. Ja, sie war zu Hause und nicht etwa als Gefangene in dieser dunklen Höhle, von der sie eben noch geträumt hatte – und schon gar nicht in der Gewalt jener finsteren Gestalten.
Erleichtert sank sie in die Federn zurück. »Blöde Kerle«, seufzte sie vor sich hin und betastete ihre scheinbar glühende Stirn. Eine Schweißperle wollte herunter zum Augenwinkel kullern – sie wischte sie weg und wünschte sich, den Albtraum genauso einfach aus ihrem Gedächtnis löschen zu können. Hinterhältige Halunken, überraschend waren sie aus den Büschen gesprungen, hatten sie vom Pferd gezerrt und wortlos in eine dunkle Höhle verschleppt. »Böser, böser Traum«, flüsterte sie. Und das gerade heute, an ihrem zwanzigsten Geburtstag, als reichte es nicht schon, diesen symbolischen Tag des Erwachsenwerdens ganz allein begehen zu müssen. Der Vater war mit ihren beiden Brüdern im Krieg, und die Mutter war voriges Jahr gestorben.
Hanna starrte nachsinnend die immer heller werdende Eichendecke an. Beide Brüder und auch der Vater wussten nichts vom Tode der Mutter. Sie fürchtete den Tag, an dem die drei, möge das Schicksal sie wieder gesund nach Hause bringen, vor ihr stehen würden und sie ihnen die traurige Nachricht verkünden müsste. Es würde ein trauriger Tag werden und anschließend eine noch viel traurigere Zeit, denn die Mutter war die Gütige, alles Verstehende und Schlichtende, sie war die Geborgenheit und so warmherzig – sie war der orientierende Pol gewesen, der alles zusammenhielt. Ihr leerer Platz riss ein gewaltiges Loch in den Himmel.
Hanna wurde abgelenkt. Draußen schrie ein Hahn, einer der Wachhunde bellte, bald würde die allmorgendliche Burgglocke läuten. Sie beschloss, sich noch vor dem Erwachen der anderen Burgbewohner etwas abzukühlen, denn ihr Körper vibrierte nach wie vor von diesem furchtbaren Traum. Nackt schritt sie zur offenen Tür, streichelte zuerst ihre beiden treuen Wolfshunde, die Nacht für Nacht ihren Schlaf bewachten, dann äugte sie sicherheitshalber nach allen Seiten und ging schließlich gemächlich zum Brunnen. Dort stülpte sie einen Krug nach dem andern über sich, bis es sie fröstelte und der Traum nebst allem anderen konfusen Nachgrübeln weggespült war.
Zurück in ihren Räumen trocknete sie völlig erfrischt ihren wohlgeformten, sportlichen Körper ab, warf noch einen fast scheuen Blick in den Spiegel und schlüpfte in eine ihrer geliebten Reitermonturen – es war eine dieser Einzelkreationen, wie sie nur die Mutter, bedingt durch ihre indianische Abstammung, hatte anfertigen können. Die Leute hierzulande sahen es nicht gerne, wenn eine Frau Männerkleidung trug, und schon gar nicht eine solch ledrige, zottelige Kluft, die von irgendwo jenseits des großen Ozeans kam. Aber gerade deswegen trug Hanna diese Kleidung andauernd – zwar gefiel es ihr auch so, gleichzeitig konnte sie aber damit die streng Konservativen triezen und provozieren. Sie nannte diese Art der Konfrontation ›frei-exotischer Trotz gegen infantile Spießbürgerei‹.
Heute, zu ihrem zwanzigsten Geburtstag, wählte sie die ganz helle, mit Sioux-Motiven bestickte Wildlederkluft: mit ganz langen Fransen, engen Hosen, dem langärmligen, weißen Hemd, Wams, Jägerjacke, den kniehohen Stiefeln und dazu einen breitkrempigen Hut, den sie ganz zuletzt über ihre langen, schwarzbraunen Haare stülpte. Hanna lächelte sich im Spiegel an, wohl wissend, dass sie damit auch heute wieder so manche kleinkarierte Lästerseele dieses kleinen Menschenhaufens in Burg und Umgebung ärgern würde. Aber sie wusste nur zu gut, dass es unter ihnen auch viele Sympathisanten gab, die ihre freilebige Art bewunderten – schade nur, dass diese jüngeren Männer nun alle an der Front kämpften. Die Hiergebliebenen waren ältere Menschen, Kinder und Kriegsuntaugliche sowie eine Überzahl von unbefriedigten Frauen, die jede ihrer exzentrischen Ausschweifungen als eine Art Blitzableiter für ihren eigenen angestauten Frust nutzten und hinter vorgehaltener Hand über sie lästerten. Manchmal fragte sich Hanna, was diese Weiber wohl mit ihr anstellen würden, wenn sie hier nicht stellvertretend für ihren Vater die Burgherrin und zugleich Arbeitgeberin wäre.
Glockenläuten erklang. Allmählich kam Leben in die alte Burg, die von ihrem Großvater aus Ruinen wieder instand gesetzt und zu einem Landgut umfunktioniert worden war. Vor fast tausend Jahren sollte diese Burg von den deutschen Kreuzrittern erbaut worden sein, wusste Hanna, später diente sie als Trutzburg gegen die Tataren, Petschenegen und Osmanen. Danach wurde sie als Einsiedelei genutzt, zur Beherbergung und als Tränke für die einzige Gebirgsstraße durch Transylvanien, bis vor dreihundert Jahren ein neuer, viel bequemerer Handelsweg tief unten durch die Täler angelegt wurde. Nach und nach verließen die Menschen die Burg, und letztendlich verwilderte sie vereinsamt und vergessen in den Wäldern – bis zu dem Tage, als ihr Großvater, der alte Tom, sich während einer ausgedehnten Jagd hierher verirrte. Auf Anhieb verliebte er sich in die überwucherte Burg und erwarb einige Jahre später das gesamte Hochplateau um sie herum. Dafür zahlte er blanke Goldnuggets an die Provinzverwaltung der kaiserlich und königlichen Donaumonarchie – Goldnuggets, die er speziell dafür in den kanadischen Rocky Mountains am anderen Ende der Welt geschürft hatte.
Hanna ließ ihren Blick zum Waffenschrank gleiten. Sie öffnete ihn und entnahm eines der Jagdgewehre – eine leichte, äußerst fein gearbeitete Bockbüchsflinte, oben Projektil, unten Schrot. Es war das Abschiedsgeschenk des alten Tom, bevor er vor wenigen Jahren, noch vor Beginn dieses furchtbaren Krieges, wieder hinüber nach Kanada in das Reservat der Assiniboin namens Grizzly Bear’s Head zog. Dort lebte auch heute noch ihre Stammessippe, die der Crow-Sioux. Seither kamen keine Lebenszeichen mehr von ihm, so als wollten ihn die riesigen Wälder, von denen er ihr so viel vorgeschwärmt hatte, für immer und ewig behalten – oder es waren die Crows aus Saskatchewan, die ihn bereits vor drei Jahrzehnten als weißen Jäger in ihren Stamm aufgenommen hatten und ihn diesmal anscheinend nicht mehr freigeben wollten.
Sie selbst war eine halbe Crow – mütterlicherseits. Trotzdem hatte sie Kanada noch nie gesehen. Ein Hauch von Wehmut durchzog ihr Gemüt. Nur allzu sehr wünschte sie sich, endlich einmal ihre roten Stammesverwandten kennen zu lernen, um wenigstens eine flüchtige Berührung mit den Wurzeln ihrer mütterlichen Herkunft zu erhaschen. Dann könnte sie auch ihrem roten Großvater begegnen – den guten Freund ihres weißen Großvaters. Viel hatte sie schon vom alten Ri-Ta-Na gehört, der einer der letzten echten Medizinmänner des roten Volkes sein sollte. Sein Name bedeutet so viel wie: ›der von jenseits sieht‹.
Hannas Gesicht erhellte sich, während Erinnerungen an die Geschichten des alten Tom in ihr aufkamen. »Mädel«, erzählte er einst, »du hättest deinen Vater erleben sollen, als er da drüben zum ersten Mal Lay-Shee begegnet ist. Ich sage dir, solch einen Hornochsen habe ich bis dahin noch nicht gesehen. Zuerst wurde er stumm wie ein totgeschlagener Fisch, lief kalkweiß an und stotterte nach einer Ewigkeit unverständliche Brocken. Dann streckte er die Hand zum Gruß aus, vergaß aber, dass er noch seine lange Flinte festhielt, und riss damit einen Hängekrug von der Decke, dessen Inhalt, ein weißer Rindensaft, sich über ihn ergoss. Jetzt aber kommt das Beste: Diese wohlriechende, weiße Rindenflüssigkeit nennen die Crows Jungferntau – und darin dürfen nur die geschlechtsreifen Jungfrauen vor einem großen Fest baden, um die Aufmerksamkeit der jungen Männer auf sich zu ziehen. So, Hanna, nun darfst du dreimal raten, welchen Namen dein Vater auch heute noch bei den Crows trägt …?«
»Jungfrau«, tippte sie und verkniff sich das aufkommende Lachen. Der alte Tom nickte und schlug sich mit den Händen auf die Knie. »Richtig, Jungfrau nannten sie ihn. Der arme Teufel ging dreimal täglich unter den Wasserfall und mühte sich vergeblich, das Zeugs wegzubekommen. Und genauso viele fiese Heiratsanträge machten ihm die schadenfrohen roten Kerle nach jedem unnützen Bad. Wie eine Mimose duftete er.«

Erneut in Gedanken versunken, schulterte Hanna das Gewehr, trat hinaus auf die breite Plankenterrasse und ließ ihren Blick hinauf zum nahen Berggipfel schweifen, auf dessen Spitze ein weißer Felsen thronte, der zu dieser frühen Stunde aber rötlich leuchtete: der Dillstein, wie ihn der alte Tom getauft hatte, ohne jemals zu verraten, was genau hinter diesem Namen steckte.
An dessen Sockel, nach Sonnenuntergang gerichtet, hatte sie ihre Mutter vor fast einem Jahr bestattet. Sie folgte damit einem indianischen Brauch, wie es die Mutter auf dem Sterbebett verlangt hatte: auf Stützpfählen halb liegend gegen Westen aufgebahrt, in der Stammestracht der Crow-Sioux und in Decken gewickelt und geschnürt, die mit rituellen Symbolen, Lebens- und Totemmotiven sowie indianisch-nativen Knoten und Quasten versehen waren. Diese Bestattung hatte ihr damals viel Ärger eingebracht, doch daran wollte Hanna nun nicht mehr denken.